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Vom ABGB zum Europäischen Privatrecht - 200 Jahre Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch in Europa

Jubiläumsveranstaltung vom 2. bis zum 3. Juni 2011 in Krakau

Die Forschungsstelle für Europäische Rechtsentwicklung und Privatrechtsreform hat für die Universität Wien und die Jagiellonen-Universität Krakau aus Anlass des 200-Jahr-Jubiläums des ABGB in Krakau vom 2. bis 5. Juni 2011 eine große Festveranstaltung vorbereitet und durchgeführt, an der ungefähr 170 Festgäste aus Österreich, Polen und vielen anderen zentral- und osteuropäischen Staaten teilgenommen haben. Zahlreiche Ehrengäste waren bei der Veranstaltung anwesend und haben sie durch Grußadressen und Eröffnungsreden einbegleitet. Den Ehrenschutz hatten die österreichische Bundesministerin für Justiz Univ.-Prof. Dr. Beatrix Karl, der polnische Justizminister Mag. Krzysztof Kwiatkowski und der Regierungschef des Fürstentums Liechtenstein Dr. Klaus Tschütscher übernommen. Neben ihnen hielten der Rektor der Jagiellonen-Universität Prof. Dr. hab. Karol Musioł und der Rektor der Universität Wien Prof. Dr. Georg Winckler Eröffnungsreden. Weitere Begrüßungsworte sprachen der Vertreter des Bürgermeisters der Stadt Krakau Prof. Dr. hab. Jacek Majchrowski, der Präsident der Österreichischen Notariatskammer Univ.-Doz. Mag. DDr. Ludwig Bittner und der Präsident der Polnischen Notariatskammer Mag. Lech Borzemski.


Für die Organisatoren der Festveranstaltung hielten Prof. Dr. Dr. h. c. Rudolf Welser als Leiter der Forschungsstelle für Europäische Rechtsentwicklung und Privatrechtsreform an der Universität Wien und Prof. Dr. hab. Jerzy Pisuliński, als Prodekan der juristischen Fakultät der Jagiellonen-Universität Krakau Eröffnungsreden.


Prof. Welser wies in einer Eröffnungsansprache darauf hin, dass es vor zwei Tagen 200 Jahre her war, dass Kaiser Franz I. von Österreich das ABGB promulgiert hat, eine Kodifikation, die seither nicht nur die Monarchie und die Nachfolgestaaten, sondern viele europäische Rechtsordnungen wesentlich beeinflusst hat. Dieser Anlass werde heuer mit vielen Veranstaltungen gefeiert. Die Tagung in Krakau sei aber etwas ganz Besonderes. Sie solle nicht nur fachlich-juristischen Charakter tragen, sondern auch ein Fest sein. Ein Fest für jene, die heute noch mit unserer Kodifikation leben, aber auch für jene, die mit diesem Gesetzbuch einmal gelebt haben oder deren Rechtsordnungen zumindest von ihm beeinflusst sind. Dieses Jubiläum werde in der wunderschönen Stadt Krakau gefeiert, auch als Symbol für die Länder der Monarchie, in denen das ABGB einmal gegolten hat und Einfluss auf das Privatrecht genommen hat. Die Teilnehmer befänden sich im Zentrum des westgalizischen Gesetzbuches, das als Vorreiter der umfassenden Bedeutung des ABGB anzusehen sei. Die Veranstalter seien sich aber von vornherein darin einig gewesen, dass nicht bloß ein „stolzer Rückblick“ gehalten werden sollte, sondern dass man auch in die Zukunft blicken wolle, auf die künftige Entwicklung des Privatrechts in Europa. Beides, Vergangenheit und Zukunft, würden Gegenstand der folgenden Vorträge und Diskussionen sein. Die Idee zu diesem Fest stamme aus dem an der Forschungsstelle für Europäische Rechtsentwicklung und Privatrechtsreform in Wien bestehenden Arbeitskreis. Die Kollegen aus den ost- und zentraleuropäischen Ländern wollten ihre Verbundenheit mit dem ABGB dokumentieren und gleichzeitig ein Zeichen für die Zusammenarbeit in Gegenwart und Zukunft setzen.


Unter dem Vorsitz von Sektionschef i.R. Hon.-Prof. Dr. Gerhard Hopf folgte dann der Festvortrag von o. Univ.-Prof. DDr. DDr. h. c. Johannes Michael Rainer über das ABGB als Kodifikation und seine Bedeutung in Europa. Kurzreferate hielten Prof. Dr. hab. Jerzy Pisuliński („Wege zu einem einheitlichen Privatrecht in Europa“), Dekan o. Univ.-Prof. DDr. Heinz Mayer („Kontinentaleuropäisches Zivilrecht und Europäische Rechtsentwicklung“), Generalanwältin am EuGH Prof. Dr. Verica Trstenjak („Das ABGB in der Rechtsprechung des EuGH“) und Sektionschef Hon.-Prof. Dr. Georg Kathrein („Reformen im ABGB“). Die Veranstaltung schloss mit einer Podiumsdiskussion unter dem Vorsitz von Prof. Dr. hab. Andrzej Mączyński und den Teilnehmern Prof. Dr. Meliha Povlakić, Prof. Dr. Martin Schmidt-Kessel, Prof. Dr. Dr. h. c. Lajos Vékás und Prof. Dr. Brigitta Zöchling-Jud.


Die Festveranstaltung war von einem Rahmenprogramm begleitet. Schon am 2. Juni fand am Nachmittag auf Einladung von Herrn Generalkonsul Mag. Christophe Ceska ein Empfang im österreichischen Generalkonsulat statt, am Abend folgte ein festlicher Empfang auf Einladung des Herrn Bürgermeisters der Stadt Krakau Prof. Dr. hab. Jacek Majchrowski im Rathaus der Stadt, bei dem in mehreren Reden die Bedeutung der Festveranstaltung hervorgehoben wurde. Am Nachmittag des 3. Juni gab es Stadtführungen und schließlich einen Empfang durch den Rektor im Sommerpalais der Jagiellonen-Universität. Am Samstag, dem 4. Juni, besuchten die Teilnehmer das berühmte Salzbergwerk und das Königsschloss Wawel.


Der genauere Verlauf der Tagung und weitere Beiträge zum Jubiläum finden sich im Programm. Der von der Forschungsstelle herausgegebene Tagungsband zum Symposium ist am 19. Juli 2012 als Band VI: "Vom ABGB zum Europäischen Privatrecht" in den Veröffentlichungen der Forschungsstelle erschienen. 

 


Rektor Musioł begrüßt die österreichische Delegation
Prof. Welser bei der Eröffnung der Tagung
Konferenzteilnehmer
Dekan Mayer und Prof. Welser
Bundesministerin für Justiz Prof. Dr. Karl und Prof. Dr. Welser sowie Rektor Musioł beim Abendempfang der Jagiellonen-Universität
Forschungsstelle für Europäische Rechtsentwicklung und Privatrechtsreform

em.o. Univ.-Prof. DDr. h.c. Dr. Rudolf Welser
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